Modern Talking: Platin-Kings of Grossraum-Disco!

“Mensch Dieter, das ist es!!“ – Die Plattenmanager im Berliner Büro von Hansa Records sind ganz aus dem Häuschen. Es ist der Spätsommer 1984. Soeben hat ihnen Dieter Bohlen, seines Zeichens Vertrags-Komponist und Produzent aus Oldenburg, sein neuestes Machwerk vorgespielt. Ein Demosong, den er unter seinem Pseudonym “Steve Benson“ in zwei, drei Stunden geschrieben hatte und dem er neben seinen neuen Liedern für andere Künstler wie Bernd Clüver und Bernhard Brink selbst gar keine so große Bedeutung beigemessen hatte.

Text: Alex Gernandt

Doch Melodie und Text des brandneuen Songs gehen den versammelten Musikexperten sofort ins Ohr. Aus den Boxen tönt es:

“Deep in my heart, there’s a fire, a burning heart / Deep in my heart, there’s desire for a start / I’m dying in emotion / It’s my world in fantasy / I’m living in my, living in my dreams…“

Und dann der Refrain:

“You’re my heart, you’re my soul / I’ll keep it shining everywhere I go / You’re my heart, you’re my soul / I’ll be holding you forever / Stay with you together…“

Titel des Werks: “You’re My Heart, You’re My Soul“. Die Musikmanager hatten das Potential der Nummer auf Anhieb erkannt. Ein Knaller – ganz sicher! Ein Tophit – mindestens! Der Song brannte sich jedenfalls gleich beim ersten Hören fest ins Hirn, den Text konnte man auch ohne Englisch-Leistungskurs gut verstehen – und vor allem: mitsingen!

Dem Gold auf der Spur!

Dieter Bohlen aka Steve Benson war damals gerade 30 Jahre alt – und total überrascht über die Euphorie der Musikprofis, auch, weil ihm bislang noch kein richtig großer Hit gelungen war, obwohl er bereits hunderte Songs geschrieben hatte! “Ich gebe zu: ich wusste nicht, dass wir hier einen Welthit haben würden“, erinnert sich Bohlen in seiner Autobiographie “Nichts als die Wahrheit“. “Den Songtext hatte ich mal eben in einer halben Minute hingekliert. Popoabwischen dauert länger! Und Thomas Anders als Sänger war ähnlich fix.“

Mit “You’re My Heart, You’re My Soul“ begründet sich eine der spektakulärsten Karrieren in der deutschen Popgeschichte: Modern Talking war geboren!

MAT_AlbumCover_Bild30Das Jahr 1984 – es ist die Hoch-Zeit des Italo-Disco-Sounds; die Musik, die man aus dem Urlaub im sonnigen Süden mit nach Hause brachte. Hits wie “Precious Little Diamonds“ von Fox The Fox oder “Cold Days, Hot Nights“ von Moti Special stürmen die Charts und bringen die Dancefloors auch in den hiesigen Großraumdiscos zum Beben. Dieter ist regelmäßig zu Gast in den großflächigen Tanz-Palästen, nicht nur in den Metropolen, auch auf dem Land. Und nicht etwa nur zum Spaß, sondern um das “Tanzverhalten“ der Discogänger zu studieren. Denn Dieter Bohlen ist nicht nur Musiker, Komponist und Produzent, er ist auch ein akribischer Analytiker – und nicht zuletzt Geschäftsmann. Er guckt, hört und fühlt, was beim Publikum funktioniert und was nicht. Musik-Marktforschung made by Bohlen! Besonderes Merkmal der Italo-Disco-Hits jener Zeit ist der typische Falsettgesang, den die Bee Gees schon einige Jahre zuvor auf Megahits wie “Staying alive“ oder “Nightfever“ perfektioniert hatten. Dieters Gesangs-Partner Thomas Anders kann mühelos in dieser hohen Stimmlage singen. 1982 hatte er Thomas, geboren 1963 als Bernd Weidung in Münstermaifeld bei Koblenz, kennengelernt und mit dem unbekannten, aber talentierten und ehrgeizigen Sänger einige deutsche Schlager wie “Heißkalter Engel“, “Wovon träumst du” oder “Endstation Sehnsucht” aufgenommen. Thomas’ erklärtes Ziel ist, “ein großer Sänger“ zu werden, doch ein Hit ist damals nicht dabei…

Endlich die Erfolgsformel gefunden!

Nur zwei Jahre später wird sich das schlagartig ändern – mit “You’re My Heart, You’re My Soul“! Ursprünglich soll die Nummer “My Love is gone“ heißen, die Idee zum Song kommt Dieter in seiner Zweitheimat Mallorca am Strand. Doch er hält diesen Titel für langweilig und entscheidet sich für “You’re My Heart, You’re My Soul“.

Als die Single im Herbst 1984 erscheint, liegt sie zunächst wie Blei in den Regalen. Keiner scheint Notiz zu nehmen von dem neuen Popduo namens Modern Talking. Doch wenige Monate später ist es soweit: Erste Fernseh-Auftritte in der populären Musiksendung “Formel Eins“ und in der “Tele-Illustrierte“ machen Dieter Bohlen und Thomas Anders über Nacht bekannt. Nicht nur mit ihrem Song, auch mit Optik und Outfits (Stichwort bunte Ballonseide!) sorgen sie für Furore, der blonde kesse Dieter und der dunkelmähnige, stets gut gebräunte Thomas. Am 25. Januar 1985 platziert sich “You’re My Heart, You’re My Soul” erstmals in den deutschen Charts. Der Titel erreicht sensationell Platz Eins in Deutschland, in Belgien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Österreich, Portugal, der Schweiz und selbst in Israel! In Spanien und Südafrika klettert er immerhin bis auf Platz 2. Ein regelrechter Gold- und Platin-Regen prasselt plötzlich auf Dieter Bohlen und Thomas Anders nieder. Und von da an geht es nur noch in eine Richtung: steil aufwärts!

Das jahrelange Herumexperimentieren mit verschiedenen Musikstilen, die Beharrlichheit und sein Durchhaltevermögen zahlen sich für Bohlen letztendlich aus. Er hat seine Erfolgsformel für MODERN TALKING gefunden. Wie nur wenige, kennt er das Musikgeschäft von beiden Seiten – als Künstler und als Kaufmann. Bohlen hatte in Göttingen an der Georg-August-Universität (auf Wunsch seiner Eltern) Betriebswirtschaftslehre studiert und schloss 1978 als Diplom-Kaufmann ab. Diese “Killer-Kombination“ aus Kunst und Kommerz lässt ihn zum erfolgreichsten und bekanntesten Musikproduzenten Deutschlands werden. Und er, der sich oft unverstanden und nicht respektiert fühlt, will es fortan all seinen Kritikern zeigen. Sein Motto: “PLANIEREN STATT SANIEREN“!

Die Rechnung geht auf. Mitte der 80er reihen Modern Talking Super-Hit an Super-Hit, es scheint, als haben die beiden ein Abonnement auf Platz eins: Sie werden die “Platin-Kings of Großraumdisco“!

You’re My Heart, You’re My Soul“ folgte im März 1985 die Single “You can win if you want“, übrigens ein weiteres Lebensmotto von Dieter und, klar, erneut ein Nummer-eins-Erfolg. Videos werden immer wichtiger. Im Clip zu “You can win if you want“ brennt ein junges Mädchen durch mit dem Ziel, ihre Helden Modern Talking zu treffen. Sie schafft es, sich in ein TV-Studio zu schmuggeln, in dem Dieter und Thomas auftreten. Sie kann ein Bussi von Dieter ergattern, bevor der mit seinem Jaguar davonrauscht. Von Thomas gibt es hingegen keinen Kuss! Aber warum eigentlich nicht? Hier kommt erstmals Nora, die Frau von Thomas Anders ins Spiel. Sie kontrolliert alles, was mit “ihrem“ Thomas zu tun hat, schirmt ihn ab und lässt keine(n) an ihn ran. Dieter ist schnell extrem genervt, weil sie sich zu oft ins Business einmischt, und später werden Noras Eskapaden gar zum Trennungsgrund des Erfolgsduos.

Ein Mega-Hit folgt dem Nächsten!

Modern Talking brechen aber erstmal weiter jede Menge Rekorde. Fünf Singles schießen hintereinander auf Platz eins der deutschen Charts. “Cheri Cheri Lady“, in Modern Talkings Stammpublikation BRAVO damals mit “Kirsche Kirsche Dame“ übersetzt, ist der erste Clip, in dem Thomas die berühmte “NORA“-Halskette trägt. Und: Im Video ist weit und breit keine “Cheri Cheri Lady“ zu sehen… Hat hier wieder Nora ihre Hände im Spiel!? “Brother Louie“ aus dem Album “Ready For Romance“, eine Hommage an Dieters Co-Produzent Luis Rodriguez und heute dank Rapper und ex-DSDS-Kollege Kay One (“Louis Louis“) wieder brandaktuell, steht ab Februar 1986 geschlagene 17 (!) Wochen auf Platz 1 der deutschen Charts. Es folgt “Atlantis is calling (S.O.S. for Love)“, wieder Platz 1 in Deutschland, aber auch in Israel und der Türkei. Auch “Geronimo’s Cadillac“ lässt Deutschland im Herbst 1986 tanzen. Nur einmal funktioniert eine Nummer nicht wie gedacht: Es ist “Give Me Peace On Earth“, eine Friedensballade in Zeiten von Glasnost. Dieters Reaktion: Nie wieder veröffentlichen Modern Talking eine Ballade als Single!

In kürzester Zeit werden die ungleichen Zwei zu Superstars – auch im Ausland. So sind sie etwa noch zu Zeiten des Eisernen Vorhangs der erste westliche Musikact, der in der Sowjetunion seine Alben veröffentlichen darf – eine echte Sensation. Und ihre großen Konzerte dort sind allesamt restlos ausverkauft.

“Auseinander-dividiert von Nora!“

MT_Inside_YMHYMS_ZuschnittDoch im Herbst 1987 ist plötzlich Schluß mit Modern Talking. Das Tuch zwischen Dieter und Thomas ist endgültig zerschnitten – trotz aller Erfolge. Einen Teil der Schuld trägt dabei wohl Nora, Thomas’ Ehefrau. “Das Problem bei uns war ja, das wir auseinander dividiert worden sind“, resümiert Dieter. “Es gab kein Gespräch mehr. Bei uns gab es eben kein Modern Talking mehr, sondern nur noch Modern Silence. Keiner hat mehr miteinander gesprochen.“

Nach dem Ende von Modern Talking beginnt Dieter sein Soloprojekt “Blue System“. Bis 1997 ist jedes Album in verschiedenen Ländern in den Charts platziert. Vor allem in Osteuropa feiert Dieter große Erfolge. Höhepunkt: Er wird als “Held der russischen Jugend” geehrt. Neben Blue System produziert er in den 80ern auch Künstler wie Nino de Angelo, C.C. Catch, Chris Norman (u.a. “Midnight Lady“ für einen “Schimanski-Tatort“), Dionne Warwick und Bonnie Tyler – lange bevor er als Chefjuror der RTL-Castingshow “Deutschland sucht den Superstar“ und weiteren Nummer-eins-Hits der DSDS-Sieger für Schlagzeilen sorgen wird.

Auch Thomas Anders startet nach dem Aus eine Solokarriere. Er zieht weit weg, nach Los Angeles, um dort ungestört neue Songs aufzunehmen. Seine Alben werden in der Folge zwar kein großer kommerzieller Erfolg, sind für ihn aber ein Lernprozeß. Auch er ist besonders in Osteuropa angesagt und dort regelmäßig auf Tour. 1994 zieht er von Kalifornien zurück nach Koblenz, und zum ersten Mal nach sieben Jahren Funkstille telefoniert er wieder mit Dieter Bohlen. Eine Annäherung, immerhin.

Glorreiches Comeback und erneute Trennung!

MT_BackForGood_Cover_DE“Wetten, dass…?” wird im März 1998 zur Bühne für die große Wiedervereinigung von Modern Talking. In der Show von Thomas Gottschalk geben sich Dieter und Thomas erneut das “Ja-Wort“ und schwören ewige Treue. Dieter dazu: “Sieben Jahre hatten Thomas und ich uns nicht gesehen. Die letzten vier Jahre haben wir uns ab und zu geheim getroffen. Wir wollten uns erst mal vertragen. Und als dann die Anfrage vom ZDF kam, ob wir nicht bei “Wetten, daß…?” auftreten möchten, hatten wir irgendwie wieder Bock.“

Die von vielen Fans heißersehnte Reunion ist wahr geworden, das Comeback-Album “Back For Good“ wird zum erfolgreichsten Modern-Talking-Album ever. Clever: “You’re My Heart, You’re My Soul“ erscheint als Neuauflage mit coolem Rap-Part von Eric Singleton.

Im Februar 1999 veröffentlichen Dieter und Thomas das Album “Alone“. Als Singles werden “You Are Not Alone“ und “Sexy Sexy Lover“ ausgekoppelt. Beide können sich in den Top 20 der Charts platzieren. Es folgt das Album “2000 – Year Of The Dragon“. “Win The Race“, die erste Single-Auskopplung, wird in der folgenden Formel-1-Saison als Hintergrundmusik eingesetzt. Im Frühjahr 2002 kommt “Victory“, das mit der Single “Ready for the Victory“ eine zweite Hintergrundmusik für die Formel 1 enthält.

Das letzte Studioalbum “Universe“ beinhaltet 2003 die Single “TV makes the Superstar“, in die Dieter seine DSDS-Erfahrungen einfließen lässt.

60 Millionen Tonträger haben Modern Talking nach ihrem Comeback verkauft – genauso viele wie zuvor, macht zusammen 120 Millionen, eine Wahnsinnszahl! Doch am 7. Juni 2003 verkündet Dieter Bohlen beim Konzert in Rostock vor 25.000 Fans überraschend das erneute und endgültige Ende von Modern Talking. Das allerletzte Konzert findet am 21. Juni in der Berliner Wuhlheide statt und manch ein Fan vergießt ein Tränchen…

MODERN TALKING sind längst Kult!

Ja, Modern Talking sind für viele längst Kult geworden. Mit ihrem unvergleichlichen Euro-Disco-Sound haben Dieter Bohlen und Thomas Anders – allen Kritikern zum Trotz – bis heute viele Millionen Menschen in aller Welt zum Tanzen gebracht, in Europa wie in Asien und Afrika. Modern Talking, das ist unbestritten, haben ein dickes Kapitel deutsche Popgeschichte mitgeschrieben!

All ihre großen Momente kann man jetzt noch einmal Revue passieren lassen – mit BACK FOR GOLD. Das Werk enthält neue Versionen der Klassikern wie “You’re My Heart, You’re My Soul”, “Brother Louie”, “Cheri Cheri Lady” und “Atlantis Is Calling (S.O.S. for Love)” sowie einen brandneuen “Modern Talking Titan Megamix 2K17” – natürlich produziert von Poptitan Dieter Bohlen himself…

„Back For Gold – The New Versions“

„Back For Gold“ ist sowohl als LP und CD erhältlich und ein Muss für jede Modern Talking-Sammlung!

MT_BackForGold_VinylModern Talking: Back For Gold (Vinyl)

Mit BACK FOR GOLD präsentiert Dieter Bohlen 2017 ein neues Album mit den Hits des legendären Duos Modern Talking.

Es handelt sich dabei um eine komplett neue Abmischung der Songs. Mit dabei sind insgesamt sechs neue Versionen der Klassiker „Brother Louie“, „You’re My Heart, You’re My Soul“, „Cheri Cheri Lady“, „You Can Win If You Want“, „Atlantis Is Calling“ und „Geronimo’s Cadillac“ und der brandneue “Modern Talking Pop Titan Megamix 2K17”.

MT_BackForGold_CDModern Talking: Back For Gold (CD)

BACK FOR GOLD erschien vorab im Set “DIETER BOHLEN – DIE MEGA HITS“. Jetzt ist das neue Modern Talking-Album auch als Einzel-CD erhältlich. Darauf enthalten sind die legendären Nummer-Eins-Hits des Duos Modern Talking sowie die neuen Versionen der Modern Talking-Klassiker. Das absolute Highlight ist auch hier der brandneue „Modern Talking Pop Titan Megamix 2K17“, welcher sich auf Anhieb in den DJ Charts hoch platzierte. Die Songs „Win The Race (Scooter Mix)”, “Shootingstar (Remastered)” und “Juliet (Jeos Remix)” sind zusätzlich enthalten.