Daryl Hall & John Oates – Zeitlos gut!


HallandOates

Seit den frühen Achtzigern sind ihre Songs aus den Radios der Welt nicht wegzudenken und dürfen auch in keiner guten 80er-Playlist fehlen. Erstmals seit dieser Dekade kehrt das erfolgreichste Duo der Popgeschichte für zwei Konzerte auf deutsche Bühnen zurück. In fünf Schritten zeichnen wir ihre Karriere nach – und zeigen, warum die beiden so besonders sind.

Text: Chris Hauke

Die Anfänge

Dass Daryl Hall einmal Karriere als Musiker machen wird, zeichnet sich früh ab. Beide Elternteile sind als Sänger aktiv, seine Mutter bringt ihm bereits als Kind bei, seine Stimme richtig zu trainieren. Daryl wächst in einer gemischtrassigen Gegend auf und saugt Gospel und Soul quasi mit der Muttermilch auf. Zu seinen wichtigsten Einflüssen zählen die Temptations, denen er als Fan und Freund verbunden ist. Einmal geht er sogar mit ihnen auf Tour. Zunächst kocht er Kaffee für die Band, wenig später singen sie gemeinsam Gospelsongs. Damit ist sein Weg vorgeben.

Während der Zeit an der Universität in Philadelphia lernt er 1967 John Oates kennen. Der gebürtige New Yorker mag neben Soul auch Folk- und Bluesmusik, beide verstehen sich auf Anhieb – und doch wird fast nichts aus dem großen Erfolg. Das Ergebnis der ersten gemeinsamen Gesangsversuche ernüchtert die beiden. Sie beschließen zunächst, es bleiben zu lassen – überlegen es sich dann aber doch anders. 1970 starten Daryl Hall und John Oates ihre Karriere als Duo.

Die erste Nummer 1

Aus ihren Einflüssen generieren die beiden nach und nach ihren ganz eigenen Sound. Der große Durchbruch kommt Anfang 1977 mit “Rich Girl”. Die Inspiration für den von Daryl Hall geschriebenen Song ist ein früherer Freund seiner langjährigen Partnerin Sara Allen, die auch als Mitkomponistin zahlreicher Hall & Oates-Songs zum Erfolg des Duos beiträgt. Der Junge aus begütertem Haus muss sich um Geld keine Sorgen machen – Papa sorgt schon für ihn. Aus dramaturgischen Gründen wird aus dem ursprünglichen “Rich Guy” bald darauf das reiche Mädchen.

Mit dem Erfolg wird klar, dass der Songwriter Daryl Hall die Fähigkeit besitzt, mit seinen Liedern Menschen rund um den Globus anzusprechen und in den Bann zu ziehen. Gemeinsam mit John Oates wird ihm das später noch häufig gelingen. Doch mit dem Erfolg steigen auch die Anforderungen. Möglichst schnell soll nächste Hit her – und am besten so ähnlich klingen wie „Rich Girl“. Doch Hall & Oates lassen sich nicht auf dieses Spiel ein. Sie wollen sich als Künstler entwickeln und nicht nach einer Formel arbeiten.

Die Erfolgswelle

Anfang der Achtziger ist das Duo eine Einheit, das seine musikalische Vision ohne den Einfluss von außen realisiert. Bis 1984 reiht sich ein Tophit an den anderen: Zu Beginn der Dekade veröffentlichen sie mit “Kiss On My List”, “Private Eyes” und “I Can’t Go For That (No Can Do)” drei Chart-Topper in den USA, dazu kommt mit “You Make My Dreams” ein weiterer Top-5-Erfolg. Und so geht es weiter: Auch “Maneater” von 1982 und “Out Of Touch” aus dem Jahr 1984 grüßen von ganz oben. Die dazu gehörigen Alben erreichen Multi-Platin-Status. Zu dieser Zeit gibt es nur einen Giganten, der ihnen in den Staaten auf Augenhöhe begegnet: Michael Jackson. Wie er sind sie auf “We Are The World” zu hören, anders als der King of Pop nehmen sie am größten Musikereignis des Jahres 1985 teil: Der amerikanische Part des Live-Aid-Konzerts findet im heimischen Philadelphia statt, Hall & Oates treten dabei als Headliner auf die Bühne – vor ihnen performen Musikgiganten wie Neil Young, Led Zeppelin oder die damals ebenfalls riesigen Duran Duran. Auf dem Zenith ihres Erfolges bedanken sich die beiden mit einer großen Geste bei ihren Vorbildern, als sie mit Eddie Kendricks und David Ruffin zwei einstige Temptations auf die Bühne holen – und bei deren Performances Background singen.

Die Schattenseiten

Musikalisch also ist alles in Butter, doch die neue Welt der Musikvideos treibt die beiden in Wahnsinn. Bislang für alles selbst verantwortlich, müssen sie sich jetzt von überdrehten Regisseuren rumschubsen lassen und deren Visionen ihrer eigenen Songs transportieren. Der Irrsinn erreicht seinen Höhepunkt mit “Out Of Touch”, einem ernsten Lied über Beziehungen und ihre Herausforderungen. John Oates muss im Video Räder schlagen, Daryl Hall singt sich im Leoparden-Sakko durch den Clip. Dazu kommt ein grotesk übergroßes Schlagzeug, aus dessen Bass Drum sie sich um drei Uhr morgens für die Aufnahmen befreien müssen – mit dem Song hat all dies nichts zu tun.

John Oates hat für derartige optische Entgleisungen einen passenden Vergleich: „Jeder hat Fotoalben mit Bildern von früher, auf denen man schlimm aussieht. Doch die holt man normalerweise nur selten raus. Dieses Videos sind unsere Fotoalben. Nur sind sie für immer in der Welt.“ Das Duo versucht in der Folge, die Deutungshoheit über ihre Musik zurück zu gewinnen.

Hall and Oates

Rückbesinnung & Neustart

Im Anschluss treten Hall & Oates auf die Bremse und verwirklichen sich auch einzeln auf verschiedenen Ebenen. Um den Zuschauern zu zeigen, wie er als Musiker tickt, ruft Daryl Hall 2007 die Show “Live From Daryl’s House” ins Leben, bei der er mit Kollegen wie Smokey Robinson, Aaron Neville oder Joe Walsh musiziert – ungekünstelt und komplett ohne Show drum herum. Auch John Oates besinnt sich auf die Grundlagen und bringt Anfang 2018 sein bislang letztes Soloalbum “Arkansas” heraus. Es ist eine Hommage an den Country-Blueser Mississippi John Hurt, den er schon seit seiner Jugend verehrt und den er Anfang der 1960er-Jahre noch persönlich kennenlernen durfte – nicht lange, bevor er mit Daryl Hall den musikalischen Partner seines Lebens traf.

Ende 2013 wird das Duo in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen. Seitdem sind sie wieder gemeinsam auf Tour und stricken weiter an ihrer eigenen Legende. Auch nach all den Jahren bilden Daryl Hall und John Oates auf der Bühne eine echte Einheit. Und das nun endlich auch wieder in Deutschland.

Die größten Hits von Hall & Oates in einer Playlist…

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